Dieser Artikel beschreibt drei grundlegende Elemente einfühlsamer Versorgung – aktives Zuhören, achtsame Sprache und mitfühlende Reaktionen – und zeigt praxisnahe Ansätze für die tägliche Arbeit auf.
- Kurze Gesprächspausen zulassen: Ein Moment der Stille kann Eltern ermutigen, weiter auszuführen.
- Reflektierende Rückmeldungen geben: Formulierungen wie „Es klingt danach, dass Sie sich … fühlen“ zeigen echtes Interesse und Verständnis.
- Offene Fragen stellen: „Wie geht es Ihnen emotional mit der aktuellen Situation?“ eröffnet eher ein Gespräch als ein geschlossenes „Kommen Sie zurecht?“.
Die Sprache prägt die Beziehung zwischen Fachkräften und Eltern. Sie kann beruhigen, orientieren und stärken – oder sie kann verunsichern, beschämen oder Eltern mundtot machen. Dies gilt sowohl im direkten Gespräch als auch in der internen Kommunikation wie Dokumentation, Übergaben oder Fallbesprechungen.
Eine förderliche Sprache ist:
- Wertfrei: Statt „fehlgeschlagene VBAC*“ besser „Kaiserschnitt nach Geburtsversuch“. Statt „Intervention abgelehnt“ eher „entscheidet sich zunächst abzuwarten“.
- Personenorientiert: Eltern nicht auf ihre medizinische Situation reduzieren („die Sectio in Zimmer 3“), sondern als Individuen ansprechen.
- Ressourcenorientiert: Anstrengung, Bewältigungsstrategien und Fortschritte hervorheben, um Scham und Selbstvorwürfe entgegenzuwirken.
Forschungen zeigen, dass abwertende oder negative Sprache in der Geburtshilfe mit schlechteren emotionalen Ergebnissen sowie einem erhöhten Risiko für postnatale psychische Belastungen verbunden ist.³ ⁴ Eine wertschätzende und bestätigende Sprache hingegen fördert positive Geburtserfahrungen und stärkt das Vertrauen in die elterliche Kompetenz.⁵
3. Mitfühlende Reaktionen: Belastung ernst nehmen, ohne sie zu übernehmen
Wenn Eltern seelische Belastung äußern, verspüren Fachkräfte häufig den Impuls, schnell eine Lösung präsentieren zu müssen. Doch in vielen Situationen benötigen Eltern zunächst Anerkennung ihrer Gefühle und das Gefühl, verstanden zu werden. Ein einfacher Satz wie „Ich sehe, wie schwer das gerade für Sie ist“ kann bereits entlasten.
Kernelemente mitfühlender Reaktionen:
- Wahrnehmen: Belastung ansprechen, auch wenn sie nicht klar ausgesprochen wird.
- Validieren: Eltern spüren lassen, dass ihre Emotionen nachvollziehbar und legitim sind.
- Unterstützend handeln: Je nach Situation beruhigen, informieren oder an spezialisierte Angebote weitervermitteln.
Einfühlsame Versorgung bedeutet nicht, die gesamte emotionale Last der Eltern tragen zu müssen. Es geht darum, präsent und empathisch zu sein und Orientierung zu geben. Dies fördert das Wohlbefinden der Eltern und schützt gleichzeitig die psychische Belastbarkeit der Fachkräfte.⁶ ⁷
- Vertrauen und Kooperation der Eltern verbessern,
- emotionale Belastungen frühzeitig erkennen und enttabuisieren,
- verhindern, dass akute Belastungen sich zu langfristigen psychischen Problemen entwickeln.
- Aktives Zuhören schafft Raum für Offenheit und stärkt Vertrauen.
- Sprache wirkt: Wählen Sie Worte, die stärken statt beschämen.
- Mitfühlende Reaktionen validieren Emotionen und geben unterstützende Orientierung.
- Jede Interaktion zählt: Selbst kurze Momente können nachhaltig wirken.
Literatur
1. McCauley K, Actis Danna V, Rouleau G, et al. Listening to women: experiences of maternity care in Canada. BMC Pregnancy Childbirth. 2018;18(1):336.
2. Redshaw M, Henderson J. Mothers’ experience of maternity care in England: initial findings from a national survey. Oxford: NPEU. 2015.
3. Reed R, Sharman R, Inglis C. Women’s descriptions of childbirth trauma relating to care provider actions and interactions. BMC Pregnancy Childbirth. 2017;17:21.
4. Bohren MA, Vogel JP, Hunter EC, et al. The mistreatment of women during childbirth in health facilities globally: a mixed-methods systematic review. PLoS Med. 2015;12(6):e1001847.
5. Thomson G, Downe S. Widening the trauma discourse: the link between childbirth and experiences of abuse. J Psychosom Obstet Gynaecol. 2008;29(4):268–273.
6. Sinclair S, Norris JM, McConnell SJ, et al. Compassion: a scoping review of the healthcare literature. BMC Palliat Care. 2016;15:6.
7. Devlin AM, O’Boyle C, Walker S. An exploration of compassion in maternity care. Midwifery. 2020;88:102760.