Das „Paced Bottle Feeding“ (auf Deutsch: schrittweises Füttern mit der Flasche) ist eine bindungs- und bedürfnisorientierte Fütterungstechnik, bei der das Baby mehr Kontrolle über das Trinken erhält. Studien zeigen, dass diese Methode langsameres und achtsameres Füttern zwischen Bezugsperson und Baby fördert. So kann das Baby seinem natürlichen Rhythmus folgen und klar signalisieren, wann es hungrig oder satt ist¹. Dies hilft, Überfütterung zu vermeiden und fördert ein angenehmeres Fütterungserlebnis.
Im Gegensatz zum herkömmlichen Fläschchenfüttern, bei dem die Milch oft schnell und kontinuierlich fließt, ahmt das Paced Bottle Feeding das Stillen nach: Der Milchfluss wird gezielt unterbrochen, sodass das Baby Pausen machen und ruhig atmen kann. Wird die Flasche dabei eher waagerecht gehalten, muss das Baby aktiv saugen, um Milch zu erhalten – ähnlich wie beim Stillen. Dieses verlangsamte Tempo hilft dem Säugling, seine Körpersignale besser wahrzunehmen und die Nahrungsaufnahme eigenständig zu regulieren.¹
So funktioniert es – Schritt-für-Schritt-Anleitung:2
Saugen ohne Milch ermöglichen:
Wenn Sie dem Baby die Flasche anbieten, lassen Sie es zunächst ein paar Mal ohne Milch im Sauger saugen. So kann es sich an den Sauger gewöhnen und seinen natürlichen Saug-Rhythmus entwickeln. Sobald sich ein gleichmäßiger Rhythmus eingestellt hat, kippen Sie die Flasche leicht an, sodass der Sauger vollständig mit Milch gefüllt ist.
Milchfluss pausieren:
Sobald das Baby langsamer wird oder aufhört zu saugen, kippen Sie die Flasche sanft nach unten, um den Milchfluss zu unterbrechen. So bekommt das Baby Gelegenheit zu atmen und wahrzunehmen, ob es noch hungrig ist oder bereits satt.
Füttern fortsetzen, sobald das Baby wieder saugt: Beginnt das Baby erneut zu saugen, kippen Sie die Flasche zurück in eine Position, in der der Sauger wieder mit Milch gefüllt ist. Lassen Sie das Baby in seinem eigenen Tempo trinken und machen Sie bei Bedarf Pausen.
Der ideale Zeitrahmen für das schrittweise Füttern mit der Flasche liegt nach meiner klinischen Erfahrung und Ausbildung bei etwa 5 Minuten pro 30 ml Milch. Dieser Wert dient als Orientierung, kann jedoch je nach Baby deutlich variieren. Entscheidend ist, dass das Füttern anhand der kindlichen Signale angepasst wird und das Baby in einem komfortablen Tempo trinken darf.
Das Baby sollte den zeitlichen Ablauf bestimmen können – inklusive Pausen, um im Einklang mit seinen Hunger- und Sättigungssignalen zu bleiben. Ist das Trinktempo zu langsam, kann ein Sauger mit schnellerem Durchfluss oder eine geringere Pacing-Frequenz hilfreich sein. Ist das Trinktempo zu schnell, empfiehlt sich intensiveres Pacing oder ein Sauger mit langsameren Durchfluss. Durch genaue Beobachtung der kindlichen Signale können Sie das Vorgehen situativ anpassen. Dieser Ansatz entspricht dem aktuellen Stand der Forschung: Paced Bottle Feeding verbessert die Qualität der Fütterungsinteraktion und unterstützt ein responsives, beziehungsorientiertes Füttern.¹
Warum Paced Bottle Feeding wichtig ist:
Unterstützt die Selbstregulation und beugt Überfütterung vor: Paced Bottle Feeding ist eine
responsive Fütterungsmethode, bei der Säuglinge lernen, sich an ihren eigenen Hunger- und Sättigungssignalen zu orientieren. Studien zeigen, dass responsives Füttern mit einem gesünderen Gewichtszuwachs im Säuglingsalter assoziiert ist und dazu beitragen kann, Überfütterung zu vermeiden.³
Kann Reflux und Luftschlucken reduzieren: Durch den langsameren, signalorientierten Trinkrhythmus beim Paced Bottle Feeding können Blähungen, Aufstoßen oder Refluxerscheinungen vermindert werden. Da die Bezugsperson die Signale des Babys genauer beachtet und das Tempo anpasst, wird das Trinken angenehmer und physiologisch schonender.⁴
Ahmt das Stillen nach: Für Familien, die Stillen und Flaschenernährung kombinieren, unterstützt das Paced Feeding die Erhaltung des Stillrhythmus. Der verlangsamte Milchfluss erleichtert es dem Baby, zwischen Brust und Flasche zu wechseln, und verringert das Risiko, dass es eine Vorliebe für den schnellen Milchfluss aus der Flasche entwickelt².
Schafft eine positive Fütterungserfahrung: Durch das bewusst langsamere und feinfühlige Füttern wird eine entspannte Fütterungsroutine etabliert. Bezugspersonen können sich besser auf die nonverbalen Signale des Babys einstellen, was sowohl das emotionale Bonding als auch das Wohlbefinden des Säuglings fördert.¹
Fazit
Das Paced Bottle Feeding ist eine bewährte Methode sowohl für Familien, die das Stillen mit Flaschenernährung kombinieren, als auch für jene, die ausschließlich mit der Flasche füttern. Diese Technik ermöglicht es dem Säugling, den Milchfluss aktiv mitzugestalten und unterstützt ihn dabei, eigene Hunger- und Sättigungssignale wahrzunehmen und zu regulieren. Paced Feeding kann dazu beitragen, Überfütterung zu vermeiden, mögliche Beschwerden wie Reflux oder vermehrtes Luftschlucken zu reduzieren und ein gesundes Essverhalten von Beginn an zu fördern. Gleichzeitig stärkt die Methode die Bindung zwischen Bezugsperson und Baby durch eine achtsame, feinfühlige Fütterungssituation.
Dieser wissenschaftliche Artikel wurde von einer Expertin verfasst, die
eine Vergütung von MAM erhalten hat.
Veröffentlicht im Oktober 2025.
Quellen:
1. Ventura, A. K., Drewelow, V. M., & Richardson, T. N. (2025). Does paced bottle-feeding improve the quality and outcome of bottle-feeding interactions? Early Human Development, 201, 106181.
2. Mohrbacher, N. (2014). Working and Breastfeeding Made Simple. New Harbinger Publications.
3. Leerkes, E. M., Buehler, C., Wideman, L., Chen, Y., & Shriver, L. H. (2024). Biopsychosocial predictors of rapid weight gain from birth to 6 months. Pediatric Obesity, 19(12), e13170.
4. Ventura, A. K., Keim, S. A., Ades, V., & Bostic, N. (2023). Knowledge and use of paced bottle-feeding among mothers of young infants. Journal of Nutrition Education and Behavior, 55(11), 796–802.